Kontakt | Presse | Links | Sitemap | Impressum
Top News

Lärmbelastung

Spendenaktion

Vortrag Freie Wähler GEO:

„Führungsversagen erleichtert Mobbing“

Olching/Esting – Mobbing. Jahr für Jahr gibt es Millionen von Mobbing-Fällen. Das betätigen zahlreiche Untersuchungen, etwa des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Besonders oft kommt Mobbing offenbar im öffentlichen Dienst vor. Viele Betroffene erkranken. Häufige Mobbing-Folgen sind etwa Magen- oder Gallenbeschwerden, Kreislaufprobleme und Herzrasen. Manche Menschen werden durch Mobbing sogar in den Selbstmord getrieben. Schlagzeilen machte etwa der tragische Tod einer jungen Polizistin.

Doch was genau ist Mobbing? Wodurch entsteht es, was lässt sich dagegen tun? Dazu hielt der Rechtsanwalt Matthias Noell einen öffentlichen Fachvortrag im Olchinger Ortsteil Esting. Mobbing sei nach gängiger Auffassung eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen,
- bei der die angegriffene Person unterlegen ist und
- von einer oder mehreren anderen Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird,
- mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes.
- Die angegriffene Person muss dies zudem als Diskriminierung empfinden.
In der Literatur finden sich rund 50 unterschiedliche Verhaltensweisen von sexistischen Äußerungen bis zu tätlichen Angriffen. „Rechtzeitige Aufklärung ist dringend nötig. Wir haben 46 denkbare Mobbing-Fallbeispiele zusammengetragen und ins Firmennetz gestellt“, berichtete der Bürgermeister-Kandidat der FW GEO, Peter Knoll. Er hat Rechtswissenschaften studiert und ist seit über sechs Jahren als Betriebsrat in einem Medienhaus mit über 300 Angestellten aktiv. Knoll: „Typische Mobbing-Methoden sind das absichtliche Vorenthalten wichtiger Informationen oder die räumliche Isolation einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters.“ „Doch nicht jedes unfreundliche Verhalten ist gleich Mobbing“, betonte Gemeinderatskandidat Noell. „Davon abzugrenzen sind gefühlte oder tatsächliche Konflikte, bei denen die vorbeschriebenen Merkmale ganz oder teilweise fehlen.“ In seiner Praxis erfrage er daher immer erst, ob es sich um einen Fall von Überempfindlichkeit handeln könnte. „Jeder Mensch reagiert unterschiedlich“, wandte dazu die Gemeinderatskandidatin und Psychogerontologin Aleksandra Dörner ein. Deshalb lasse sich auch kein Patentrezept in einem Mobbingfall verschreiben, erwiderte Noell. Es sei Sache jedes Arbeitgebers und der Vorgesetzten, gegen Mobbing einzuschreiten.

Generell stehen Betroffenen insbesondere folgende bewährte Reaktionsmöglichkeiten offen:
- Widersacher ansprechen
- Vorgesetzten einschalten
- Beschwerde beim Betriebsrat/Personalrat
- Gespräch mit der Personalabteilung Und im Extremfall: Rehabilitation und neue Lebensplanung.

„Kein Job ist es wert, dafür seine Gesundheit zu opfern“, resümierte Noell. Doch das sei gerade bei älteren Arbeitnehmer(innen) oft leichter gesagt als getan. Einig waren sich alle Teilnehmer der anschließenden, lebhaften Diskussion: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“ In fast allen echten Mobbingfällen sind nach den Berichten der Teilnehmer(innen) überforderte oder unfähige Vorgesetzte im Spiel. Einige der Anwesenden hatten bereits bittere Erlebnisse hinter sich. „Auch theoretisch leistungsbezogene Prämien, die nach dem Nasenprinzip vergeben werden, können das Betriebsklima vergiften und Mobbing erleichtern“, sagte der Verwaltungsfachmann und Gemeinderatskandidat Norbert Voß.

Bürgermeister-Kandidat Peter Knoll forderte daher, in allen Firmen und Behörden nicht nur auf die fachliche Qualität, sondern zugleich auf die soziale Kompetenz von Vorgesetzten zu achten. „Die Folgen können verheerend sein – nicht nur für das Opfer, auch für die Firma durch Langzeiterkrankungen, Leistungsabfall usw.“ Ihm seien schon mehrfach junge Manager negativ aufgefallen, die frisch von der Uni unvorbereitet in verantwortliche Positionen mit Führungsverantwortung gestellt wurden. Knoll: „Bewährt hat sich ein Maßnahme-Katalog, der vom anonymen Stimmungsbarometer als Frühwarnsystem über schriftlich dokumentierte Jahresgespräche bis zur gründlichen Schulung der Personalverantwortlichen reicht.“

Stephan Grimm

Der neue Webauftritt der Freien Wähler GEO befindet sich noch im Aufbau. Das Forum wird voraussichtlich am 25. Februar 2008 online gehen. Wir bitten unsere BesucherInnen daher noch um etwas Geduld, wenn z.B. noch nicht alle Links funktionieren. Wir freuen uns bereits jetzt über Anregungen, Lob und Kritik!