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Geschichte der FW GEO:
Anwalt der kleineren Ortsteile

Die FW GEO blicken auf eine knapp 30-jährige Geschichte als politischer Verein zurück. Ihre Wurzeln reichen weiter: In den ehemals selbstständigen Gemeinden Geiselbullach und Esting dominierten parteifreie Gemeinderäte und Bürgermeister das politische Geschehen.

In beiden Gemeinden spielten politische Parteien nie eine größere Rolle, Geiselbullach war sogar völlig parteifrei: In der bis 1978 selbständigen Gemeinde Geiselbullach stellten die politischen Parteien bei den Kommunalwahlen nach dem zweiten Weltkrieg keine Kandidaten für den Gemeinderat auf. Es gab nur parteifreie Kandidaten, die sich auf einer Liste unter dem Kennwort „Einigkeit Geiselbullach“ den Bürgern zur Wahl stellten.

Freie Wähler bestimmen die Geschicke

Auch die Nachkriegsbürgermeister der Gemeinde Geiselbullach waren ausschließlich parteiunabhängig. Im Mai 1945 wurde Johann Wilhelm von der Besatzungsmacht zum Bürgermeister von Geiselbullach eingesetzt. Er übte dieses Amt bis zu seinem Tod am 25.12.1947 aus. Sein Nachfolger wurde Josef Weger. Er wurde mehrfach mit deutlichen Mehrheiten wiedergewählt und blieb bis zu seinem Tod am 24.10.1966 im Amt.

Gemeinderat Esting

Weitgehend parteifrei: Im Estinger Gemeinderat spielten 1975 Parteimitglieder praktisch keine Rolle. Foto: Archiv

Am 23.4.1967 wurde Josef Drey, einziger Kandidat für die Nachfolge Wegers, mit 97,4 % der gültigen Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Geiselbullach gewählt. Er wurde im März 1972 mit überzeugender Mehrheit wiedergewählt und blieb bis zum 30.04.1978 im Amt.

Am 01.05.1978 verloren die politischen Gemeinden Geiselbullach (mit dem Ortsteil Graßlfing, zu dem auch das Schwaigfeld gehört) und Esting ihre Selbständigkeit, da sie mit Olching zu einer Großgemeinde zusammengelegt wurden. Nach heftigem politischem Kampf und einem Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht (der sogar gewonnen wurde) verfügte das bayerische Innenministerium die Zusammenlegung.

Verlust der Selbstständigkeit

Als feststand, dass Geiselbullach nicht selbständig bleiben konnte, wurde im Rahmen einer Bürgerversammlung am 17.01.1978 in der Schulturnhalle Graßlfing der Verein „Freie Wählerschaft Einigkeit Geiselbullach/Graßlfing (FWEG)“ gegründet. Die vorgelegte und verabschiedete Vereinssatzung sah bereits die Eintragung ins Vereinsregister vor. Tatsächlich wurde der Verein aber erst am 14.6.1989 unter dem Namen „FW-Freie Wähler Einigkeit Geiselbullach/Graßlfing e. V.“ in das Vereinsregister beim Amtsgericht Fürstenfeldbruck eingetragen.

Ziel der am 17.01.1978 erfolgten Vereinsgründung war es, innerhalb der Großgemeinde eine ortsteilspezifische, parteiunabhänige Kommunalpolitik zu betreiben. So trat die Einigkeit Geiselbullach zu den ersten Kommunalwahlen nach der Gebietsreform (Wahltag war der 01.05.1978) auch mit einer eigenen Gemeinderatskandidatenliste an. Die Liste errang zwei Mandate durch Josef Drey und Edgar Holzhauser.

Der von den Freien Wählern Olching und der Einigkeit Geiselbullach/Graßlfing unterstützte Bürgermeisterkandidat Ziller, ehemals CSU, scheiterte bereits im ersten Wahlgang wie der FDP-Kandidat Ewald Zachmann deutlich. Der letzte Estinger Bürgermeister, Toni März, verpasste die Stichwahlen nur knapp und wurde danach 2. Bürgermeister neben Stichwahlsieger Manfred Krug (CSU).

Josef Drey wurde 1978 dritten Bürgermeister gewählt und behielt dieses Amt bis zu seinem Ausscheiden aus dem Olchinger Gemeinderat im Jahre 1984. Bei den Gemeinderatswahlen 1984 schnitt die Einigkeit Geiselbullach wenig erfolgreich ab. Einziger Mandatsträger wurde der damalige Ortsvorsitzende und Spitzenkandidat Günter Huber. Auch die Freien Wähler Esting verloren eines der nach der Wahl von 1978 errungenen drei Gemeinderatsmandate. Nur die FW Olching konnten ein zusätzliches Mandat erringen und waren in dieser Legislaturperiode mit drei Mandaten im Gemeinderat vertreten.

Amtierenden Bürgermeister abgewählt

Die Einigkeit unterstützte den Bürgermeisterkandidaten der FWO, Ewald Zachmann, der 1984 überraschend ins Bürgermeisteramt gewählt wurde. 1989 fusionierten die Freien Wähler Esting der den FWO. 1990 trat die FWEG wiederum mit einer eigenen Liste an und errang zwei Mandate, die an Josef Drey jun. und Günter Huber fielen.

Auch 1990 wurde Bürgermeister Zachmann bei seiner Wiederwahl von der FWEG erfolgreich unterstützt. 1992 spalteten sich die FW Olching nach internen Richtungstreitigkeiten: Zunächst gingen Monika Wilhelm zur FWEG, die daraufhin eine eigene Fraktion im Gemeinderat Olching stellte, der aus Esting stammende Gemeinderat Dr. Otto Knoll wechselte zur CSU. Ebenfalls 1994 schloss sich der nach dem Ausscheiden Monika Wilhelms nachgerückte Gemeinderat Peter Knoll, der 1992 wie viele Estinger aus der FWO ausgetreten war, den FWEG an. Auch eine Reihe der anderen aus Esting stammenden Gemeinderatskandidaten sind bereits in den 90er Jahren der FWEG beigetreten.

1996 entfielen auf die FWEG-Liste zwei Mandate (Sebastian Riedl und Josef Drey jun.); ein drittes Mandat wurde nur knapp verfehlt: Die FWEG erhielt zwar deutlich mehr Stimmen als die Grünen, diese jedoch erhielten aufgrund einer Listenverbindung mit der ÖDP ein drittes Mandat. Als Bürgermeisterkandidaten unterstützte die FWEG den Wahlsieger Siegfried Waibel von der FWO.

Neuausrichtung auf die gesamte Gemeinde

Am 24.02.1997 beschloss die Mitgliederversammlung der FWEG eine Namensänderung mit 24 zu 8 Stimmen. Der Verein heißt seither: „FW-Freie Wähler-Geiselbullach-Graßlfing-Esting-Olching (FW-GEO) e.V.“ Mit der Namensänderung vollzog der Verein die neue Zielsetzung, nämlich Kommunalpolitik im Namen aller und für alle Olchinger Bürger zu machen, egal in welchem Ortsteil sie leben. Die ausschließlich ortsteilspezifische Ausrichtung der früheren FWEG war fast 20 Jahre nach der vollzogenen Gebietsreform nicht mehr zeitgemäß und hätte keine kommunalpolitische Zukunft mehr gehabt. Dennoch bleibt die Vertretung der berechtigten Interessen der kleineren Ortsteile ein Kernanliegen der FW GEO.

Zu den Kommunalwahlen am 03.03.2002 trat die FW-GEO mit einer eigenen Gemeinderatsliste und mit dem eigenen Bürgermeisterkandidaten Eugen Sollinger an. Mit vier Mandatsträgern gelang der FW GEO ein deutlicher Stimmenzuwachs. Nachdem 2006 Siegfried Waibel aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Pension gehen musste, war ein neuer 1. Bürgermeister zu wählen. Anlässlich der Mitgliederversammlung vom 28.04.2006 erklärten der damalige 1. Vorsitzende und der 2. Vorsitzende ihre Bereitschaft, für die FW GEO um das Bürgermeisteramt zu kandidieren. In der Mitgliederversammlung vom 12.07.2006 setzte sich Peter Knoll mit 32 : 9 Stimmen bei zwei Enthaltungen durch.

Tage danach trat der unterlegene Kandidat von seinem Vorstandsamt zurück und wechselte mit einigen seiner Anhänger zur CSU, obwohl er in der Nominierungsversammlung wörtlich erklärt hatte: „Sie haben uns sogar Geld geboten, wenn wir keinen eigenen Kandidaten aufstellen!“

Der nun amtierende Vorsitzende, Peter Knoll, berief daraufhin zusammen mit den übrigen Vorstandsmitgliedern zum frühestmögliche Zeitpunkt eine Außerordentliche Mitgliederversammlung ein. Diese fand am 28.07.2006 statt und beschloss, in der neuen Situation keinen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen zu schicken. Am 22.10.2006 setzte sich der SPD-Kandidat Franz Huber in der Stichwahl gegen den CSU-Bewerber Hans Schwojer durch.

Die Mitglieder der FW GEO wählten am 24.01.2007 einen neuen Vorstand, der die bürgernahe Politik der FW GEO fortsetzen will. Trotz Mitgliederverlusten in Folge der Auseinandersetzungen um die Bürgermeisterkandidatur zählt die FW GEO mit rund 90 Mitgliedern weiterhin zu den stärksten Ortsgruppen der Freien Wähler im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Helmut Braun/pk