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Aleksandra Dörner betreut seit Jahren im Sozialdienst Olching ältere Menschen und kandidiert für den Olchinger Gemeinderat. Sie hat sich am Institut für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg weitergebildet und im Jahr 2006 ihre Diplomarbeit geschrieben. Mit der zweifachen Mutter spricht Peter Knoll über neue Betreuungs-Ansätze.
Aleksandra Dörner setzt sich für ältere Mitmenschen ein. Motto: „Wer mehr weiß, kann mehr bewirken.“
Peter Knoll (PK): Frau Dörner, was hat Sie bewogen, neben Ihrem ohnehin schon sehr zeitintensiven Engagement für Ihre Mitmenschen und als Mutter zweier Kinder noch ein Studium zu beginnen und im Vorjahr erfolgreich abzuschließen?
Alexandra Dörner (AD): Wer mehr weiß, kann mehr bewirken. Ich war bereits mehrere Jahre in der ambulanten Pflege tätig und hatte manchmal das Gefühl, bei bestimmten Krankheiten und Verhaltensweisen nicht mehr zum Patienten vorzudringen. Zudem kommt es darauf an, mit wenig Aufwand viel zu erreichen – in der Pflege stehen nur geringe Mittel bereit.
PK: An Demenz, die häufigste Form ist Alzheimer, gefolgt von Gefäßerkrankungen, erkranken viel mehr Menschen, als die meisten denken. Wie verbreitet ist diese Krankheit?
AD: Unter Demenz versteht man eine schwerwiegende Hirnveränderung, die zu einem deutlichen Verlust geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten führt. In der Altersgruppe ab 65 Jahren sind nach einer Studie von Bickel aus dem Jahre 2005 bundesweit 7,2 Prozent erkrankt. Es handelt sich nicht um Einzelfälle. Demenzen sind Erkrankungen und keinesfalls ein natürlicher und damit zwangsläufiger Vorgang, der mit dem Alter zunimmt.
PK: Welche Symptome deuten auf Demenz hin?
AD: Eine beginnende Demenz-Erkrankung ist schwer zu erkennen, da die Symptome beispielsweise teilweise einer Depression entsprechen. Leitsymptom aller Demenz-Erkrankungen ist die Störung der unterschiedlicher Gedächtnisfunktionen und daraus resultierender Verluste, z. B. des Gedächtnisses, der Orientierung, der adäquaten Planung und Handlung etc. Auf folgende Symptome sollte vor allem der Lebenspartner achten:
Zusammenfassend kommt es insgesamt zum Verlust von Kompetenzen und zu einer zunehmenden Reizbarkeit, da sich die Betroffenen im früheren Stadium über das Nachlassen ihrer Leistungsfähigkeit bewusst sind.
PK: In Ihrer Diplomarbeit untersuchten Sie therapeutische Wirkfaktoren in angeleiteten Selbsthilfegruppen für Angehörige Demenzkranker. Wie sollten Angehörige mit Erkrankten umgehen?
AD: Bei einem Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung muss der Betroffene schnellstmöglich zu einem Facharzt überwiesen werden, d. h. es muss in einer interdisziplinären Zusammenarbeit kommen: beim Hausarzt angefangen, zu Neuropsychologen, Neuroradiologen etc. – damit eine valide Frühdiagnose gesichert wird. In manchen Fällen lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
Es gibt etwa im Klinikum Rechts der Isar ein Kognitives Zentrum bei den Professoren Förstl und Kurz, wo es hervorragende Möglichkeiten der Diagnostizierung gibt. Dort habe ich im Rahmen meines Studiums ein vierwöchiges Praktikum absolviert.
Der Umgang mit der Erkrankung fällt gerade Angehörigen sehr schwer, viele wollen sie gar nicht wahr haben: „Meine Oma ist doch nicht blöd!“
Wir haben beim Sozialdienst Olching einen Gesprächskreis für Angehörige, die jemanden in der Familie pflegen oder gepflegt haben. Das ist eine kleine offene Gruppe, die sich einmal pro Monat trifft und Erfahrungen austauscht, d. h. jeder, der Probleme mit der Erkrankung eines Familienmitgliedes hat, kann uns besuchen. Er richtet sich an alle pflegenden Angehörigen.
Die Angehörigen – insbesondere von Demenz-Erkrankten – müssen meist erst lernen, mit der Erkrankung umzugehen. Sie dürfen und sollten sich auch ihre gelegentliche Erschöpfung eingestehen. Wichtig ist es, möglichst viele Erfolgserlebnisse zu haben. Neulich sagte mir eine Angehörige: „Hätte ich früher das alles gewusst, hätte ich meine Mutter wesentlich besser verstanden.“
PK: Was passiert in der Kontaktgruppe, in der Sie mitarbeiten?
AD: Wir haben in Olching zwei Gruppen aufgebaut, in denen sich ältere Menschen treffen. Es gibt eine Gruppe mit Hol- und Bringdienst, die sich zweimal und eine Gruppe für mobile und selbstständige Senioren, die sich einmal pro Woche trifft. Wie uns die Angehörigen immer wieder bestätigen, sind die Teilnehmer nach den Gruppenstunden viel entspannter.
Der Inhalt der Gruppenstunden richtet sich nach der Selbst-Erhaltungs-Therapie (SET) nach Dr. Barbara Romero. Zentraler Begriff der SET ist das "Selbst".
Es umfasst das Wissen um die eigene Person und die Welt, die lebenslangen Erfahrungen und die daraus abgeleiteten Bedürfnisse. Zudem stützt sich unsere Arbeit auf die Sima-Erkenntnisse (Selbstständig im Alter), die von der Uni Erlangen-Nürnberg erhoben wurden. Auch die Erkenntnisse einer US-Studie fließen in unsere Gruppenstunden ein: Ältere benötigen Bewegung und Sport, es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Beweglichkeit und der kognitiven Leistungsfähigkeit. (Es muss nicht unbedingt eine Demenzerkrankung sein.) Daher machen wir viele Bewegungs-, Flexibilitäts- aber auch Entspannungsübungen. Ganz wichtig ist uns auch die soziale Kontaktpflege und die kreative Betätigung.
PK: Was kostet eine Gruppenstunde?
AD: Pro Gruppenabend erhebt der Sozialdienst eine kleine Unkostenbeteiligung, die nicht einmal unsere Kosten deckt, obwohl alle Helfer nur eine Aufwandsentschädigung erhalten. Wer sich in einer Pflegestufe befindet und unter erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz leidet, muss nichts bezahlen – die Kosten übernimmt die Krankenkasse bis zu 460 Euro/Jahr im Rahmen der „niedrigschwelligen Angebote“.